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    Spannend und packend erzählt

    Ein junger Mann schleicht am Strand von Usedom entlang. Zwei Monate vorher hatte er dort sein Faltboot versteckt und die Grenzstreifen beobachtet. Man schreibt den 6. Oktober 1973, der Seewetterbericht war gut, er hört wieder Radio, das Wetter soll sich verschlechtern, aber der Mann hat es sich nun einmal vorgenommen, und es gibt kein Zurück. Spannend zu lesen und mit vielen Dokumenten aus seiner „Akte“ belegt, der Akte, welche die Beamten und Hintermänner der Staatssicherheit über Jahre abgegeben und gesammelt hatten, erleben wir hier einen Roman, eine Dokumentation von ausgefallener Qualität und brillanter Erzählweise. Diese Geschichte führt uns zurück in unsere eigene Geschichte, Jahre in der DDR, als das Leben für manche Menschen noch einfach erschien, für andere zum Albtraum wurde. Was verbirgt sich hinter der Fassade der Sozialistischen Einheitspartei und der von ihr ausgehenden Politik? Wie stellt sich dieser Staat, der meinte, er sei nur auf das Wohl und Weiterkommen der Menschen bedacht, wirklich dar? Uns begegnet ein junger Mann, „aufgeschlossen, klare Vorst., intelligent, SED“, „parteiliche Stellungnahme und fester Standpunkt“ - Kandidat dieser Partei. Nun begann er aber, das System immer mehr zu durchschauen und unbequeme Fragen zu stellen. Das war jedoch nicht gewollt, hier hatte einer blind, treu und ergeben zu sein ohne nachzudenken! Und wenn mal einer etwas mehr hinterfragte, wurde er unweigerlich zum Staatsfeind abgestempelt! Studienbeginn an der Uni Leipzig und Exmatrikulation in schneller Folge. Reiner David, der Erzähler seiner eigenen Erlebnisse, stieß damit im wahrsten Sinne des Wortes an Grenzen, die für ihn vorerst unüberwindbar erschienen. Und dann wird alles immer verrückter: Fluchtversuch über Bulgarien nach Griechenland, leider wegen fehlender Karten auf einmal doch wieder in Bulgarien gelandet und an die DDR ausgeliefert. Gefangennahme, Untersuchungshaft - da reibt sich die Stasi die Hände, endlich haben sie etwas zu tun und setzen ein halbes Dutzend Leute auf ihn an, die er nicht mehr los wird. Aus dem Gefängnis entlassen und als Bühnenarbeiter am Deutschen Theater schmiedet er weitere Pläne, immer die Stasi im Genick. Was von dieser Zeit für absurde Beschreibungen seiner Lebensumstände abgegeben werden, erscheint ihm viele Jahre später beim Lesen seiner „Akte“ einfach nur lächerlich: „Parties undurchsichtlicher Jugendlicher“ werden angeblich in seiner Wohnung veranstaltet, und ob „D. einer geregelten Tätigkeit nachgeht, kann nicht gesagt werden. Im Haus lebt er … sehr zurückgezogen, spricht auch mit keinem ...“ - alles sehr skurril und verworren. Eine Arbeit, wo er früh aus dem Haus geht, ist ja absolut unvorstellbar, es musste ja etwas völlig anderes sein. Die kranke Phantasie der Stasi-Leute ist hier einfach nur erschreckend lächerlich. Aber dann: Faltboot, und die Idee, über die Ostsee abzuhauen. Leider ist die Militärstreife da, früher als erwartet … und was antwortet Reiner auf die Frage, wo er hin will: „Nach Rügen natürlich!“ Untersuchungshaft in Greifswald und Berlin, Einzelhaft, Isolation, … Klopfzeichenalphabet und Solidarität zwischen den Gefangenen. Bücherschmuggel, um zu überleben. Reiner David schildert das alles so lebendig und spannend, dass man meint, mittendrin zu sein, und mit ihm leidet, wenn es heißt, sein Hungerstreik wäre „durch einfache körperliche Gewalt gebrochen“ worden. Was da abläuft, ist einfach nur grässlich! Abgründe tun sich auf, und der Leser ahnt, welche menschliche Stärke hier vonnöten war, um den monatelangen Aufenthalt in wechselnden Gefängnissen und diese ewigen Zeiten der Ungewissheit zu überstehen. Insgesamt sehr spannend und packend geschildert, und aus den Dokumenten ploppt dem Leser einfach nur diese Frage auf: Hatten die nichts anderes zu tun, als auf einen, der wirklich nichts verbrochen hatte und ein angenehmer, ruhiger Mensch war, leider etwas zu intelligent, wodurch er Vieles durchschaute und daher mit diesem bestimmten, sehr verlogenen Gesellschaftssystem nicht zurecht kam, ein Rudel Stasi-Spitzel anzusetzen und Militärs zu beschäftigen, um solche wie ihn ruhig zu stellen?! Schon toll, was das für ein System gewesen sein muss, ein „Staat für Menschen und ein Menschenstaat“, wie er sich netterweise selbst immer bezeichnete. Hier werden Bilder einer Zeit gezeichnet und gezeigt, wie man sie nicht mehr erleben möchte. Was mich am meisten beeindruckt hat: Hier zeigte sich tatsächlich wieder einmal: Wissen ist Macht! Hochintelligente Reaktion auf Schwachstellen in der Anklageschrift, während der Verhandlung – und immer: Höflichkeit gegen Brutalität und Dummheit kleingeistiger Beamten gesetzt, einfach brillant! Sich diese menschliche Stärke über so eine lange Zeit in der Gefangenschaft zu bewahren, ohne daran zu zerbrechen, alle Hochachtung!
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